Das erste Praktikum

Meine ersten Erfahrungen konnte ich den Monaten September bis November 2018 machen. Ich war direkt der Abteilung KOD unterstellt, in der ich auch in die anderen Bereiche hineinschnuppern konnte.

Vorweg: Es war eine schöne Zeit mit sehr netten Kollegen. In der Zusammenarbeit konnte ich viele praktische Erfahrungen mitnehmen. Ich stellte allerdings auch fest, dass die Theorie oftmals nichts mit dem tatsächlichen Dienst zu tun hat. Vieles ist Auslegungssache und Ermessen.

Eine einführende Übersicht der Tätigkeiten im Praktikum:

  • Verwaltung
  • Bestreifungen
  • Ermittlungen
  • Veranstaltungen begleiten
  • Durchsuchungszeuge
  • Überwachung des ruhenden Verkehrs
  • Rückführungen
  • PsychKG

Verwaltung

Das erste Praktikum Die Kollegen des KOD haben zwei Sachgebiete zu bearbeiten. Sachgebiete sind einfach spezielle Aufgabenbereiche, die der zuständige Mitarbeiter übernimmt.

Natürlich kennen sich beide Mitarbeiter in den Gebieten aus, sodass jeder einzeln agieren kann, wenn sich der Kollege zum Beispiel im Außendienst befindet. Die Gebiete nennen sich Sondernutzung und LImsch (Landesimmissionsschutz). Hierfür müssen Genehmigungen oder auch Ablehnungen ausgestellt werden.

Mehr über Sondernutzungen und das LImsch

1. Sondernutzungen

Wer auf öffentlichem Gelände z.B. eine Außengastronomie betreiben, einen Baustellencontainer, Verkaufsstand etc. aufstellen, ein Baugerüst errichten oder ein Straßenfest abhalten möchte, muss eine Genehmigung für die „Sondernutzung an öffentlichen Straßen und Plätzen“ beantragen. Die Richtlinien und Gebühren sind in einer Satzung festgelegt.

2. LImsch (Landes-Immission) / LImschG (Landes- Immissionsgesetz)

In Bezug auf Genehmigungen, geht es bei einer „LImsch“ in erster Linie um den Lärmschutz. Wer also ein Straßenfest veranstalten möchte, der hat Auflagen zu erfüllen.

Diese sind z.B., dass die Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr einzuhalten ist. Festgelegt ist die Zeit in der „Ordnungsbehördlichen Verordnung zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung“.  Neben der Mittagsruhe ist schlussfolgernd auch die Einhaltung der Nachtruhe wichtig. Der Gesetzgeber hat die Zeit im „LImschG“ festgelegt.

Wer des Weiteren schallerzeugende Geräte benutzten möchte, benötigt dafür eine Ausnahmegenehmigung, da die Verwendung laut „§10 LImschG – Benutzung von Tongeräten“ grundsätzlich untersagt ist.

Darüber hinaus erreicht das Büro über alle möglichen Kommunikationswege Anliegen und Beschwerden der Bürger. Diese müssen natürlich bearbeitet und ggf. weitergeleitet werden.

Bestreifungen

Eine der wichtigsten Aufgaben des KOD ist die Präsenz gegenüber den Bürgern zeigen.

Alleine die Anwesenheit in der Stadt oder an stark frequentierten Orten erfreut viele Bürger. Und eine freundliche Antwort auf die Fragen der Bürger kommt meist immer gut an.

Das erste PraktikumAuf Streife fällt dem Mitarbeiter natürlich oft etwas auf, was andere nicht sehen. Das können z.B. unangemeldete Baugerüste, Baustellen oder Container sein. Aber auch Drogenkonsum und -handel sowie Alkoholmissbrauch stehen im Fokus.

Zur späten Abendstunde – auch mal bis zwei Uhr Nachts – bestreiften wir auffällige Stadtbezirke. In der Dunkelheit ist die Stadt eine andere Welt. Einerseits sehr ruhig, andererseits befremdlich und auch mal bedrohlich.

Ermittlungen

Im Bereich gibt es auch Ermittlerteams. Ein Team beschäftigt sich z.B. mit Hunden, welches im Außendienst nicht bei der Stadt gemeldete Tiere nach dem Landeshundegesetz ausfindig macht. Auch um die (Nicht-) Anmeldungen wird sich gekümmert.

Das andere Team übernimmt verschiedene Ermittlungstätigkeiten. Das sind z.B.

  • Wohnsitzermittlungen
  • Kraftfahrzeugermittlungen
  • Führerscheineinzug oder -beschlagnahme

Diese Vorgänge ergeben sich aus Aufträgen der eigenen und Fremdbehörden. Das können Kraftfahrzeugzulassungsstellen und Bürger-, Einwohnermeldeämter, Jugend- und Sozialämter, Ausländerbehörden, Bußgeldstellen, Gewerbeämter, Kassen- und Steuerämter, usw. sein.

Veranstaltungen

Während meiner Praktikumszeit konnte ich vier Veranstaltungen begleiten. Das waren eine Kirmes, ein Konzert, eine politische Versammlung und der Weihnachtsmarkt.
Das erste Praktikum
Die Hauptaufgabe bei den Streifengängen und Begleitungen von Veranstaltungen ist natürlich für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Darunter fallen das unterbinden von Pöbeleien und Schlägereien, Einhaltung der maximal erlaubten Lautstärke (LImsch), Drogen- und Alkoholkonsum, falsche Entsorgung von Müll usw.

Durchsuchungszeuge

Zweck dieser Aufgabe ist die Bezeugung der Arbeit der Polizei. Zum Beispiel, dass keine unnötige Gewalt beim Betreten der Wohnung angewandt wird, dem Beschuldigten nichts untergeschoben wird und das Domizil während der Durchsuchung nicht verwüstet wird.

Politessendienst

Auch die Aufgaben der Abteilung „Politessen“ durfte ich kennen lernen. Hier bekam ich einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsbereiche. Tätig wurden wir bei folgenden Vergehen:

Parken

  • im Halteverbot
  • ohne Parkscheibe
  • mit falsch eingestellter Parkscheibe
  • mit abgelaufenen Parkschein
  •  ohne Parkschein
  • gegen die Fahrtrichtung

Es wurden mehrere Fotos von dem Vergehen gemacht und die erforderlichen Daten in einen kleinen tragbaren Computer eingegeben. Diese werden später ausgelesen und an die Bußgeldstelle weitergeleitet. Den „Delinquenten“ wurde zum Abschluss der Maßnahme eine Hinweiskarte an die Windschutzscheibe geklemmt.

Rückführungen

Auch „Abschiebungen“ genannt und ein nicht so gerne kommuniziertes Thema, was aber auch nachvollziehbar ist. Hierbei werden z.B. Flüchtlinge in ihr Herkunftsland zurückgeführt.

Oftmals werden die Auszuweisenden früh morgens „abgeholt“ und zum Flughafen gebracht.

Dublin II oder Sammelcharter

Unterschieden wird eine Rückführung zwischen Dublin II und Sammelchartern. Für einen Charterflug werden deutschlandweit Auszuweisende einem festgelegten Flughafen zugeführt. Vor Ort fahren die Rückführungsfahrzeuge in eine Schleuse, hier werden die Ausreise-pflichtigen mit ihrem Gepäck der Reihe nach eingecheckt.

Das erste PraktikumIm Gegensatz zu einem Sammelcharter ist eine Dublin II Rückführung eine mehr oder minder freiwillige Rückreise, der sich eine zurückzuführende Person verweigern kann. Daher kann es vorkommen, dass der eigentlich Ausreisepflichtige wieder aus dem Flieger aussteigt und vorerst in Deutschland bleibt. Als Reaktion folgt als nächstes der Charterflug, den der Auszuweisende dann auf jeden Fall zu nehmen hat.

PsychKG

Oftmals mussten die Kollegen Bürger “einweisen”. Das Psychisch Kranken Gesetz (PsychKG) regelt die “Zwangseinweisung”. In NRW ist das Ordnungsamt dafür zuständig. Das Thema ist sehr umfangreich und es sind viele Vorschriften, Abläufe und Gesetze zu beachten.

Diese Aufgabe kann oftmals sehr spannend sein, da im Vorfeld selten bekannt ist, um welchen Patienten es geht. Er kann ruhig und kooperativ sein, zerstreut und hilflos, wie aber auch aggressiv und widerständig. Der Einsatz von Schutzwesten, Abwehrwaffen, Handschellen und Unterstützung der Polizei ist immer wieder nötig.

Jederzeit kann ein Auftrag für eine Einweisung kommen und dafür gibt es die verschiedensten Gründe. Meistens ist es Selbstgefährdung (z.B. Suizidalität) oder Fremdgefährdung (z.B. Bedrohung anderer). Auch auf Patienten mit schizophrenen Psychosen trifft man der oft.

Um diesen Personen helfen zu können, werden die Betroffenen (meist von den Behörden) einem Psychologen vorgeführt. Wenn dieser zum Ergebnis kommt, dass es besser wäre den Patienten einzuweisen, folgt das Ordnungsamt meist der Beurteilung und begleitet ihn auf die (geschlossene) Station. Im Anschluss wird ein Bericht geschrieben, in dem genau aufgeführt wird, warum die Person eingewiesen wurde. Nachdem der Bericht beim Amtsgericht eingereicht wurde, nimmt sich ein Richter der Angelegenheit an. Er sucht den Patienten auf und entscheidet am Ende, ob die Einweisung gerechtfertigt ist und wie lange er auf Station verweilen muss.

Mehr über das PsychKG

Psychisch krank im Sinne des Unterbringungsgesetzes sind Personen, bei denen eine geistige oder seelische Krankheit, Behinderung oder Störung von erheblichem Ausmaß einschließlich einer physischen oder psychischen Abhängigkeit von Rauschmitteln oder Medikamenten vorliegt.

Im § 11 des PsychKG finden sich die wichtigsten Voraussetzungen für eine freiheitsentziehende Unterbringung. Diese müssen für eine Einweisung ausnahmslos erfüllt sein:

- Krankhafter psychischer Zustand: Es müsse eine schwerwiegende psychische Erkrankung vorliegen.

- Gefahr: Die Betroffenen müssten sich selbst oder andere Menschen erheblich gefährden. Hierfür seien präzise Fakten erforderlich.

- Ursachenzusammenhang: Die Gefahr müsse unmittelbar bevorstehen oder jederzeit zu erwarten sein.

- Zeitlicher Aspekt: Die Möglichkeit einer Gefahr „in den nächsten Wochen“ reiche nicht aus.

- Erforderlichkeit: Die Gefahr dürfe nicht anders abgewendet werden können. Zunächst müssten immer auch mildere Mittel als der Eingriff in das Freiheitsrecht versucht werden.

- Verhältnismäßigkeit: Die erwarteten Gefahren müssten zur Schwere des Eingriffs in das Freiheitsrecht der Betroffenen ins Verhältnis gesetzt werden.

Fazit

In den drei Monaten habe ich eine Menge neue Erfahrungen machen können. Der Einblick in die Verwaltung und in die Arbeit des Ordnungsdienstes hat mich bestärkt, diese Umschulung durchzuziehen. Mein zweites Praktikum fand dann allerdings in einer anderen Stadt sein, da die Arbeitsweisen und Kernaufgaben der Bereiche überall etwas anders sind.
Das erste Praktikum
Im Anschluss hatte mich zunächst die Theorie wieder – und das acht Monate am Stück. Uns erwarteten ein paar neue Fächer, wie z.B. Sozialrecht, Arbeits- und Tarifrecht, Büroorganisation und andere. Das Positive an dem Ganzen war, dass die Hälfte der Umschulungszeit bereits geschafft ist.

Und wenn du bis hierhin gelesen hast, zeigt es, dass DU Interesse hast! Falls du in der Situation der Arbeitslosigkeit bist, frage doch deinen Sachbearbeiter zum Thema “Umschulung zum Verwaltungsfachangestellten mit Schwerpunkt Kommunaler Ordnungsdienst”. Die nächsten Jahre werden Deutschlandweit eine Menge motivierte und ausgebildete Mitarbeiter gesucht werden!

Die Zusammenfassung meines zweiten Praktikums folgt noch!

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